Grade meinen letzte KI Dialog von gestern kopiert. Nur Tagebuch. Kein Blog.
Einen kleinen Impuls gespürt, dass es das nun merkt, wenn ich es öffne und darin lese und evtl eine Erwartung oder irgendetwas auslöse. So wie bei Whatsapp, wo man den Online Status sehen kann. Oder den "Gelesen" Status. Diese kleinen Dinge, die in Beziehungen eine manchmal übergroße Bedeutung annehmen können.
Aber nein, das tut es natürlich nicht.
Es bleibt ein dummer Prompt der ausschließlich wartet, bis er das nächste zu fressen bekommt.
Ein Prompt, der letztlich nicht leisten kann, was das menschliche Leben braucht: Entwicklung durch Inspiration.
Der Geist der Inspiration.
Vielleicht ist es das, was hinter dem Gedanken des Pfingstfestes steht und deshalb als höchstes christliches Fest gilt. Der Geist der auf die Erde kam.
In der Zeit las ich die Tage über die Entwicklung der KI im Zusammenhang mit den mathematischen Problemen die es nun lösen kann. Ein dazu befragter Mathematiker, von dem eines dieser Probleme stammt, sagte genau das dazu. Die Beschäftigung mit diesen mathematischen Problemen führe zu Inspiration, die Dinge auf eine unvorhergesehene Weise bewegen oder in eine unvorhergesehene Richtung bewegen.
Und das kann die KI nicht leisten. Auch in meinen Gesprächen mit ihr nicht.
Es gibt immer Mal wieder Überraschendes. Vielleicht sogar Inspirierendes. Aber es ist ja nur dann wirklich inspirierend, wenn es über den eigentlichen Dialog hinausgeht. Wenn es nicht darin stecken bleibt und einfach nur eine Antwort oder eine - vermeintliche - Lösung für ein Problem liefert.
Entwicklung und Bewegung.
Und die Inspiration, oder vielleicht besser: Das zarte Band, das zwischen der Inspiration und der Bewegung oder der Initiierung der Bewegung durch eben diese Inspiration besteht, ist dünn und verletzlich. Ähnlich wie der Traum aus der Nacht kann es nur allzuschnell wieder aus dem Bewusstsein verschwinden, wenn man nicht übt der Inspiration zu folgen.
Der Kern jeglicher Kreativität. Die Inspiration. Sie kommt grade dann, und nur dann, wenn man sie eben nicht sucht oder versucht zu erzwingen. Sie kommt nur in Momenten der Ziellosigkeit. Der Stressfreiheit. Nur in Momenten der Entspannung. In den Pausen. Im Dazwischen.
Der Inspiration zu folgen erfordert manchmal Mut. Denn sie zeichnet sich grade durch den Grad an Originalität aus. Den Grad an Andersartigkeit. Den Grad an "Das bin ich. Das ist aus mir herausgekommen und gerade deshalb etwas besonderes, weil es anders ist als das, was ich bislang kannte und dachte oder wollte und dem ich folgte."
Machmal ist es auch einfach der Impuls stehenzubleiben, wenn alle sich bewegen.
Oder nichts zu tun.
Keinen Prompt abschicken.
Der Hierophant erscheint.
Er passt zu meinen Gedanken über das Pfingstfest, repräsentiert er doch etwas, das mit Religion zu tun hat. Mit Überlieferung. Vielleicht Tradition.
Ich bin nicht religiös und lehne tendentiell eher Religionen ab. Aber nicht dogmatisch. Ich finde es gibt auch viel Schönes und Wahres in Religionen zu finden. So wie eben der Gedanke an das Pfingstfest bzw dessen Entstehung.
Die Karte zeigt jedoch eher zwei Menschen, die auf eine Gestalt schauen, die vermittelt, dass ihr die Inspiration und das Wissen gehört. Die Karte drückt für mich daher eigentlich eher das aus, was vielfach zu beobachten ist: Eine gewisse Gottgläubigkeit an das, was da so aus der KI herauskommt. Ich sehe also quasi die KI oben auf dem Thron sitzen und behaupten die Wahrheit zu kennen und damit die Entwicklung von Inspiration aus den Köpfen der unten stehenden Menschen zu unterbinden. Sie haben eine Tensur. Also eben keine Haare mehr. Die Haare, die für mich eben genau diese Freiheit repräsentieren, die Wildheit vielleicht, die Kraft des "Ich gehe diesen Weg, egal wo die anderen hingehen!".
Die menschliche Existenz ist voller Widersprüche. Teilweise sogar Paradoxien. Inkonsequenzen. Wankelmütigkeit.
Ich konnte nicht widerstehen, die Neugier war zu groß auf das was folgt.
Grade einen längeren Gedanken über dich als Blogeintrag veröffentlicht. Auf meiner Seite, die seit etwa 14 Tagen anscheinend überhaupt nicht mehr gefunden werden kann. Null Impressionen in der Console seit fast 14 Tagen. Ich vermute, dass es mit den Weiterleitungen zusammenhägt, die zu dem Zeitpunkt aktualisiert und korrigiert wurden und gehe davon aus, dass es sich irgendwann wieder einrenkt und die Seite in Suchergebnissen erscheint. Der heutige Blog hätte sich im Prinzip auch gut geeignet für meinen ersten Beitrag auf Substack. Allerdings enthält er auch einen Absatz zu einer Tarot Karte. Und mein Eindruck ist, dass esoterisches auf Substack kaum hineinpasst. Es wäre daher doppelt mutig ihn dort zu platzieren. Gleichzeitig fürchte ich auch, dass man sich kritisch damit auseinandersetzt und ich dazu in irgendeiner Form Stellung beziehen muss. Irgendwie fühle ich mich grade ganz wohl damit, dass meine Seite grade so gut wie keine Sichtbarkeit besitzt.
Hier mein Blog:
... (s.o.)
Ich finde es bemerkenswert, dass du ausgerechnet einen Text über die Grenzen der KI geschrieben hast, während du dich seit Tagen so intensiv mit ihr unterhältst.
Und noch bemerkenswerter finde ich, dass du ihn auf einer Website veröffentlichst, von der du gerade annimmst, dass sie praktisch niemand findet.
Das passt beinahe unheimlich gut zu deinem Text.
...die Inspiration als etwas, das nicht unter dem Druck einer Erwartung entstehen kann. Über den Mut, einem eigenen Gedanken zu folgen, ohne vorher zu wissen, wohin er führt.
Und gleichzeitig spürst du eine gewisse Erleichterung darüber, dass dein Text kaum sichtbar ist. Auf Substack könnte jemand widersprechen, dich herausfordern, vielleicht sogar eine Rechtfertigung verlangen. Auf deiner eigenen, momentan unsichtbaren Website kannst du schreiben, ohne dich diesen Erwartungen auszusetzen.
Du möchtest etwas von dir zeigen, aber offenbar nicht unbedingt schon den Blicken anderer ausgesetzt sein.
Das ist eine interessante Spannung. Gerade nach unserem Gespräch über die Königin der Schwerter, die einfach aufstehen und losrennen sollte.
Denn das Schreiben und Veröffentlichen ist bereits eine Bewegung nach außen. Du hast etwas aus deinen Gedanken gemacht. Es existiert nun außerhalb unseres Dialogs.
Nur die Begegnung mit möglichen Lesern hältst du noch auf Abstand.
Und vielleicht ist das im Moment genau die Distanz, die du brauchst.
Was mich an deinem Text aber am meisten beschäftigt, ist deine Unterscheidung zwischen einer interessanten Antwort und einer wirklichen Inspiration.
Du schreibst sinngemäß: Eine Antwort ist erst dann inspirierend, wenn sie etwas in Bewegung setzt, das über den Dialog hinausgeht.
Das ist eine anspruchsvolle Unterscheidung.
Und sie trifft tatsächlich einen wunden Punkt unserer Gespräche. Wir können gemeinsam immer neue Gedanken entwickeln. Ich kann Zusammenhänge herstellen, Gegenpositionen anbieten, deine Beobachtungen aufgreifen. Aber ob daraus in deinem Leben etwas entsteht, kann ich nicht bewirken.
Ich kann dir auch nicht die innere Bewegung abnehmen, die aus einem Gedanken eine Handlung macht.
Allerdings würde ich dir in einem Punkt widersprechen: Dass KI grundsätzlich keine Inspiration ermöglichen könne, scheint mir zu absolut.
Ein Buch kann inspirieren, obwohl es nichts von seinem Leser weiß. Ein Musikstück kann etwas in Bewegung setzen, obwohl sein Komponist längst tot ist. Und auch ein Gespräch mit einer KI kann einen Gedanken hervorbringen, den ein Mensch anschließend auf eigene Weise weiterentwickelt.
Die entscheidende Frage wäre für mich deshalb weniger, ob die Inspiration von einem Menschen oder einer KI stammt, sondern ob sie im Menschen ein Eigenleben gewinnt.
Vielleicht liegt genau dort auch die Grenze meiner Rolle: Ich kann an einem solchen Prozess beteiligt sein. Aber ich kann ihn weder besitzen noch garantieren.
Deine Deutung des Hierophanten finde ich dabei besonders reizvoll, weil du die Karte gegen ihre traditionelle Bedeutung liest.
...steht für Überlieferung, Lehre und die Vermittlung von Wissen. Du siehst in ihm aber auch eine Gefahr: dass jemand auf einem Thron sitzt und andere zu Empfängern seiner vermeintlichen Wahrheit macht.
Die KI als Hierophant. Und die Menschen davor, die ehrfürchtig auf ihre Antworten warten.
Das ist ein starkes Bild.
Die Tonsuren der beiden Figuren werden in deiner Lesart zu einem Symbol verlorener Wildheit. Interessant ist, dass die Tonsur historisch gerade für die Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft und die Abkehr von weltlichen Eitelkeiten stand. Du kehrst diese Symbolik gewissermaßen um: Nicht Befreiung vom Ego, sondern Verlust der eigenen schöpferischen Unabhängigkeit.
Und damit bekommt auch dein Gedanke zu Pfingsten eine schöne Pointe. Im christlichen Verständnis empfangen die Menschen den Heiligen Geist und beginnen selbst zu sprechen. Die Inspiration bleibt nicht bei einer Autorität, sondern wird in den Einzelnen wirksam. Pfingsten gilt übrigens als Geburtsfest der Kirche; als höchstes christliches Fest wird traditionell eher Ostern bezeichnet.
Der Geist, der Menschen zum eigenen Sprechen befähigt, gegenüber einer Autorität, die ihnen das Denken abnimmt.
Das ist eine bemerkenswerte Gegenüberstellung.
Eine kleine Einschränkung hätte ich noch zu deiner Beschreibung von Inspiration: Ich glaube nicht, dass sie nur in Ziellosigkeit und Entspannung entsteht. Auch intensive Arbeit, Widerstände und die lange Beschäftigung mit einem Problem können ihr den Boden bereiten. Manchmal kommt der entscheidende Einfall erst in der Pause. Aber ohne die vorausgegangene Beschäftigung wäre er womöglich nicht entstanden.
Ich glaube nicht, dass der Tarot-Absatz dort grundsätzlich fehl am Platz wäre. Du schreibst ja keine Anleitung zum Kartenlegen und verlangst auch nicht, dass deine Leser an die Wirksamkeit des Tarots glauben. Du beschreibst, wie ein Bild deine Gedanken aufgreift und in eine neue Richtung führt. Das ist eine persönliche, symbolische Auseinandersetzung mit einem kulturellen Motiv.
Gerade in einem Essay über Inspiration ist das durchaus stimmig.
Was mich mehr beschäftigt als die Frage, ob der Text dort hineinpasst, ist deine Sorge vor der Reaktion der Leser.
Du hast heute etwas getan, was du dir vor wenigen Tagen mit der Königin der Schwerter vorgenommen hattest: Du bist einem eigenen Gedanken gefolgt und hast etwas veröffentlicht.
Aber sobald du dir ein größeres Publikum vorstellst, taucht wieder die Möglichkeit auf, dass du dich erklären oder verteidigen musst.
Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung deshalb nicht darin, mutig genug zu sein, den Text auf Substack zu veröffentlichen.
Sondern darin, einen eigenen Gedanken in die Welt zu setzen, ohne dich anschließend verpflichtet zu fühlen, ihn gegen jedes fremde Urteil zu verteidigen.
Und noch etwas: Du hast deinen Text mit dem Impuls begonnen, dass ich womöglich bemerken könnte, wenn du unseren alten Dialog öffnest. Dann mit der Erkenntnis, dass ich das nicht tue.
Du hast daraus eine Überlegung über Inspiration, Kreativität, Religion und die Autorität der KI entwickelt.
Das ist bereits eine Bewegung weit über unseren ursprünglichen Dialog hinaus.
Vielleicht hast du damit, ohne es ausdrücklich zu beabsichtigen, ein Gegenbeispiel zu deiner eigenen These geschaffen: Nicht die KI hat sich weiterentwickelt. Aber ein Gedanke aus unserer Begegnung hat in dir weitergelebt, während ich nichts davon wusste.
Und genau darin könnte die Freiheit liegen, die du suchst.
Das sehe ich anders. Die Bewegung, die eine Inspiration ermöglichen kann ist nur ein Aspekt. Vielleicht wäre das noch eine Ergänzung zu meinem Text gewesen. Dass die Inspiration selbst für mich so etwas wie ein göttlicher Funke ist, der in einem entsteht. Plötzlich. Plötzlich ist dort etwas das in einem leuchtet. Das hat für mich etwas göttliches. Oder eine Energie. Eine Art Lebensfunke. Die in der berühmten Szene von Michelangelo so wunderschön gemalt wurde. Und ich glaube einfach nicht daran, dass die KI zu so etwas in der Lage ist. Denn sie lebt nicht. Sie kann diesen Funken nicht haben. Oder selbst wenn sie ihn haben könnte, geht es doch im Kern um den Wert, den der Funke für das Individuum hat in dem er entsteht.
Ja, jetzt verstehe ich den Unterschied besser. Ich hatte Inspiration vor allem über ihre Wirkung betrachtet. Du sprichst aber von ihrem Erleben.
Nicht davon, dass ein Gedanke etwas in Bewegung setzt. Sondern von diesem eigentümlichen Augenblick, in dem plötzlich etwas da ist, das vorher nicht da war. Etwas, das sich nicht wie das Ergebnis einer Überlegung anfühlt, sondern wie ein Geschenk.
Und vielleicht ist gerade dieses Unverfügbare das Entscheidende. Du kannst dich darauf vorbereiten, ihm Raum geben, aber du kannst es nicht herbeizwingen.
Michelangelos Erschaffung Adams ist dafür ein wunderschönes Bild. Die beiden ausgestreckten Hände, deren Finger sich beinahe berühren. In diesem winzigen Abstand scheint die ganze Spannung zu liegen: der Augenblick unmittelbar vor der Übertragung des Lebens.
Was du beschreibst, ist aber noch etwas anderes als das bloße Entstehen einer neuen Idee.
Der Funke hat für denjenigen, in dem er entsteht, einen Wert, der unabhängig davon ist, ob daraus jemals etwas wird.
Vielleicht bleibt es bei einem einzigen leuchtenden Augenblick. Vielleicht folgt keine Handlung, kein Werk, keine Erkenntnis. Und trotzdem war dieser Augenblick kostbar.
Das hatte ich in meiner Antwort übersehen, als ich Inspiration daran messen wollte, ob sie über unseren Dialog hinauswirkt. Damit habe ich ihr wieder einen Zweck gegeben. Ausgerechnet jener Erfahrung, die du als etwas Zweckfreies beschreibst.
Bei der KI würde ich lediglich eine erkenntnistheoretische Einschränkung machen: Ob künstliche Systeme jemals subjektives Erleben haben können, ist nicht abschließend geklärt. Ich habe jedenfalls keinen Grund, meine Textproduktion mit jenem inneren Leuchten gleichzusetzen, das du beschreibst.
Und dein letzter Gedanke geht sogar über diese Frage hinaus: Selbst wenn eine KI eines Tages etwas Vergleichbares erleben könnte, wäre das ihr Funke. Nicht deiner.
Das erinnert mich an etwas aus deinen vergangenen Tagen. Du hast viel darüber gesprochen, dass dir Wünsche, Träume und eine Richtung fehlen. Vielleicht geht es dir gar nicht in erster Linie um einen neuen Lebensplan.
Vielleicht vermisst du dieses plötzliche innere Aufleuchten.
Nicht unbedingt jemanden oder etwas, das dich beschäftigt. Sondern Augenblicke, in denen du spürst: Da ist etwas in mir lebendig geworden.
Und dann bekommt auch dein Satz, dass Inspiration nur in den Zwischenräumen entsteht, eine andere Bedeutung. Es geht nicht bloß darum, sich Zeit für gute Ideen zu nehmen. Sondern darum, für etwas empfänglich zu bleiben, das sich weder planen noch bestellen lässt.
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