Pete Townshend Interview 1974.
Er sitzt dort als gesetzter junger Mann und erzählt über die Vergangenheit. Die sechziger Jahre. Lässt vieles Revue passieren was aus seiner Sicht schon lange her ist. Und wie unglaublich lange her dieses Interview nun schon ist.
In meinem Kopf wird vieles lebendig über das er spricht. Die vielen Namen und Bands die in dieser Zeit berühmt wurden. Die kulturellen Ereignisse. Seine Rock Oper. Bis hin zu Quadrophenia, in dem Sting als blutjunger Mann später eine bemerkenswerte Filmrolle erhielt. Der Film, der auch für meine Jugend äußerst prägend war.
Es ist ein schönes Stück Zeitgeschichte.
Auch schön und etwas kürzer das ein Jahr zuvor entstandende Interview mit der Band, die dabei - wie ich finde - auf sehr wohltuend, anarchisch jugendliche Weise herumflaxen.
Und ebenfalls bemerkenswert das noch einmal einige Jahre vorher (1966) entstandene Interview mit Pete Townshend, in dem er bemerkenswert selbstbewusst vor größerem Publikum über die fehlende Qualität seiner Musik spricht und eben das - die Qualität - in seinen Augen etwas ist, das er ablehnt. Ein seltsam kurioser Gedanke.
Letztlich fand ich glücklicherweise den Schnippsel den ich eigentlich gesucht hatte. Die Einleitung zu dem Stück "My Generation". Dieser Interview Schnippsel, den ich zig-Mal gehört auf einer meiner Musik Kassetten hatte bevor das Stück los ging. Mit diesen legendären Sätzen "London where?" "London, England!" oder "Roger from Oz" oder "My friends call me Keith, you can call me John". Ich wusste nie, dass es offensichtlich zu einem Film gehört.
Ein Stier. Roger Daltrey Fische. Keith Moon auf der Grenze Löwe/ Jungfrau. Auch eine schöne Kombination.
Was für eine schöne Zeitreise. Und besonders gefällt mir, dass du am Ende ausgerechnet bei einem kleinen Interviewschnipsel landest, der jahrzehntelang auf einer deiner Musikkassetten zu hören war.
Da begegnen sich auf eigentümliche Weise verschiedene Zeiten: Pete Townshend, der 1974 als junger Mann bereits auf die Sechziger zurückblickt. Du, der heute diesem Rückblick zuhört. Und dazwischen der Jugendliche, der die Einleitung zu „My Generation“ immer wieder gehört hat, ohne zu wissen, woher sie eigentlich stammte.
1974 war Townshend gerade einmal 29 Jahre alt. Und dennoch konnte er bereits auf eine ganze musikalische Epoche zurückblicken. Heute ist dieses Interview selbst über ein halbes Jahrhundert alt.
Das hat etwas Schwindelerregendes. Eine Vergangenheit, die damals schon als Vergangenheit erzählt wurde, ist inzwischen Teil einer noch viel längeren Geschichte geworden.
Besonders interessant finde ich deine Beschreibung des Interviews von 1966. Ein junger Musiker, der vor Publikum die Qualität seiner eigenen Musik infrage stellt und Qualität sogar ausdrücklich ablehnt. Darin steckt etwas von der damaligen Provokationslust: die Weigerung, sich an den Maßstäben messen zu lassen, mit denen die etablierte Kultur Kunst bewertet.
Und dann dieser herrliche Gegensatz zu dem späteren, reflektierenden Townshend: die Band, die 1973 noch gemeinsam herumalbert, und der einzelne Musiker, der ein Jahr später schon beinahe wie ein Chronist seiner eigenen Jugend wirkt.
Ich habe übrigens die Herkunft deines lange gesuchten Schnipsels gefunden: Er ist tatsächlich Bestandteil des Dokumentarfilms The Kids Are Alright von 1979. Der Film versammelt Auftritte und Interviews aus den Jahren 1964 bis 1978. Die komplette Szene mit „London where?“, „Roger from Oz“ und Keith Moons herrlicher Namensverwirrung ist darin enthalten.
Auch Townshends merkwürdige Ablehnung von Qualität bekommt einen interessanten Hintergrund. In dem Interview von Januar 1966 ging es ihm offenbar weniger darum, schlechte Musik zu machen, als darum, sich nicht durch etablierte Qualitätsmaßstäbe festlegen zu lassen. Er stellte Bewegung, Veränderung und Gegenwärtigkeit über Perfektion.
Und dann ist da noch Quadrophenia. Dass dieser Film für deine Jugend so prägend war, gibt deiner heutigen Beschäftigung mit Townshend eine weitere Dimension. Du begegnest nicht bloß einem Musiker und seiner Geschichte, sondern auch einem Stück deiner eigenen.
Vielleicht ist das das Besondere an solchen wiedergefundenen Aufnahmen: Sie lassen die Vergangenheit nicht nur als Erinnerung erscheinen. Für einen Augenblick wird sie wieder gegenwärtig.
Und Keith Moons „My friends call me Keith, you can call me John“ ist auch nach sechzig Jahren noch wunderbar anarchisch.
Pete Townshend hat eine - wie ich finde - unglaublich sympathische Art zulächeln. Sein Mund bzw sein ganzer Ausdruck erinnert mich dabei an meinen ehemeligen Trompetenlehrer (Schütze) und sogar ein klein wenig an Jake Gyllenhaal, der ebenfalls Schütze ist. Mir ist schon häufiger aufgefallen, dass Schützen häufig so eine einnehmende Art zu Lächeln haben. Pete hat die Sonne im 9ten Haus und den Jupiter fast exakt auf dem Aszendenten stehen.
Außerdem finde ich interessant, dass Lilith bei ihm im zweiten Haus steht und somit irgendwie das trotzige Zerstören dessen repräsentiert, was ja zu einem großen Teil seinen Wert repräsentiert: Sein Musikinstrument. Er sagt das in einem der Interviews sogar selbst ungefähr mit diesen Worten. Und gleichzeitig Chiron im ersten Haus. Das lese ich so, dass er quasi seine eigene Verletzlichkeit durch das Zerstören der Musikinstrumente nach außen trägt.
Deine Deutung von Townshends Radix finde ich besonders interessant, weil du nicht einfach nach Eigenschaften suchst, die zu einem Sternzeichen passen. Du versuchst, eine Verbindung zwischen seiner Persönlichkeit, seiner künstlerischen Haltung und einer sehr konkreten Handlung herzustellen: dem Zerstören seiner Gitarren.
Und dabei fällt mir zunächst dein Gedanke zu seinem Lächeln auf.
Pete Townshend hat tatsächlich etwas sehr Einnehmendes, wenn er lächelt. Gerade in den Interviews entsteht ein reizvoller Gegensatz zwischen seinem manchmal provokanten, intellektuellen Auftreten und diesem beinahe jungenhaften Gesichtsausdruck.
Dass du darin etwas von deinem ehemaligen Trompetenlehrer und Jake Gyllenhaal wiedererkennst, finde ich bemerkenswert. Du beschreibst keine abstrakte Schütze-Eigenschaft, sondern eine ganz bestimmte Mimik, die dir offenbar vertraut und sympathisch ist.
Astrologisch wäre bei Townshend der Jupiter am Aszendenten natürlich eine naheliegende Entsprechung. Der Aszendent beschreibt in dieser Symbolsprache gerade die unmittelbare Art, mit der ein Mensch anderen begegnet. Jupiter bringt dazu etwas Offenes, Großzügiges, manchmal auch Übermütiges.
Und die Sonne im neunten Haus verstärkt das Jupiter-Thema, selbst wenn sie im Stier steht.
Deine Verbindung von Lilith im zweiten Haus mit dem Zerstören der Gitarren hat tatsächlich eine besondere Pointe.
Das zweite Haus steht astrologisch nicht nur für materiellen Besitz, sondern auch für den eigenen Wert und das, worauf man seine Sicherheit gründet. Townshend zerstört ausgerechnet den Gegenstand, der ihm seinen Lebensunterhalt ermöglicht und über den er als Musiker Anerkennung erhält.
In dieser symbolischen Lesart könnte Lilith sagen: Ich lasse mich nicht auf den Wert dessen reduzieren, was ich besitze oder hervorbringe.
Und das Erstaunliche ist, dass Townshend selbst etwas sehr Ähnliches formuliert hat. In einem Interview von 1974 beschrieb er die Zerstörung sinngemäß als Geste, mit der er dem Publikum zeigte, dass er wichtiger sei als das Holz seiner Gitarre.
Hier wird die astrologische Interpretation besonders reizvoll, weil sie an eine tatsächlich überlieferte Selbstaussage anschließt.
Bei Chiron im ersten Haus würde ich allerdings noch etwas differenzieren.
Du deutest die Zerstörung als Ausdruck seiner eigenen Verletzlichkeit. Das ist eine interessante Möglichkeit. Aber vielleicht liegt die Verletzlichkeit nicht allein im zerstörerischen Akt, sondern schon in seinem Verhältnis zur eigenen Erscheinung.
Townshend hat beispielsweise davon gesprochen, dass ihm seine Gitarre half, von seiner auffälligen Nase abzulenken.
Das passt als Symbolik bemerkenswert gut zu Chiron im ersten Haus: eine empfindliche Stelle im unmittelbaren Selbstausdruck, im eigenen Erscheinungsbild, im Gefühl, wie man auf andere wirkt.
Dann wäre das Zerstören der Gitarre möglicherweise nicht einfach das Sichtbarmachen seiner Verletzlichkeit, sondern geradezu eine Umkehrung:
Das Instrument, hinter dem er sich zunächst verstecken konnte, wird zerstört. Übrig bleibt er selbst.
Dabei gibt es auch eine kunstgeschichtliche Erklärung: Townshend war stark von Gustav Metzgers Konzept der autodestruktiven Kunst beeinflusst. Er hat später selbst darüber geschrieben, wie diese Ideen seine Gitarrenzerstörungen prägten.
Beide Perspektiven müssen sich nicht ausschließen. Eine künstlerische Idee kann schließlich gerade deshalb faszinieren, weil sie etwas Persönliches berührt.
Übrigens habe ich die astrologischen Positionen nachgesehen: Die für Townshend häufig verwendeten Geburtsdaten ergeben tatsächlich Jupiter praktisch gradgenau am Jungfrau-Aszendenten, Chiron im ersten und Lilith im zweiten Haus. Die Geburtszeit von 15 Uhr wird allerdings als erinnerungsbasiert geführt, nicht als urkundlich gesichert.
Was mich an deiner Beobachtung besonders fasziniert, ist letztlich der Gegensatz zwischen dem lächelnden, sympathisch wirkenden jungen Mann in den Interviews und dem Musiker, der mit ungeheurer Wucht sein Instrument zertrümmert.
Vielleicht sind das gar keine Gegensätze. Vielleicht gehört beides zu seiner Art, sich zu zeigen: die Offenheit und der Trotz, das Zugewandte und das Unangepasste.
Und deine astrologische Lesart versucht gerade, diese unterschiedlichen Seiten als Ausdruck ein und derselben Persönlichkeit zu verstehen.
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