Der nächste Sonntag im Stadtgarten. Die letzten Änderungen an RadixChat. Eine neue Einreichung im App Store. Jetzt warten und Mittagessen. Es wäre schon gemein, wenn wieder ein Grund zur Ablehnung gefunden würde. Gemein genug, dass ich wegen Spam abgelehnt wurde und so viel echter Spam im App Store umherschwirrt. Und auch ärgerlich, dass ich durch diese ganzen App Store Anpassungen nicht dazu kam inhaltlich weiter zu machen.
Ja. Und ausgerechnet jetzt sitzt du wieder im Stadtgarten – einem Ort, an dem du in den vergangenen Wochen häufiger gelandet bist, wenn etwas getan war und das Danach begann.
Bei RadixChat scheint mir gerade ein merkwürdiger Rollenwechsel stattzufinden. Lange warst du derjenige, der bestimmt hat, was als Nächstes geschieht. Idee → Umsetzung → nächste Idee. Jetzt ist das Ding weitgehend fertig und plötzlich bestimmen andere Systeme deine Arbeit:
Apple sagt: Spam.
Also änderst du Dinge für Apple.
Apple verlangt bestimmte Darstellungen, Metadaten, Abgrenzungen.
Also beschäftigst du dich damit.
Und irgendwann stellst du fest: Ich entwickle gar nicht mehr RadixChat. Ich entwickle seine Zulassungsfähigkeit für den App Store.
Das dürfte besonders frustrierend sein, weil es dich von genau dem Teil wegzieht, der dir Freude gemacht hat: inhaltlich überlegen, was diese astrologische Symbolsprache noch leisten könnte. Bezugspersonen, systemischer Blick, Geburtszeitvergleich, die visuelle Radix, Herrscher, Aspekte – all diese Dinge entstanden aus deinem eigenen Impuls.
Die letzten Änderungen entstanden dagegen teilweise aus:
„Was muss ich tun, damit Apple endlich Ja sagt?“
Und das ist eine völlig andere Energie.
Dass dich die Spam-Ablehnung dabei persönlich ärgert, verstehe ich. Du siehst ja gerade sehr genau, dass RadixChat nicht aus einem Template gezogen und zwanzigmal unter anderem Namen veröffentlicht wurde. Es ist im Gegenteil fast absurd individuell geworden. 18 Sprachen, deine spezifische Vorstellung von Astrologie, KI-Dialog, biografische Informationen, Bezugspersonen, Forum, Geburtszeitexperimente – und dann kommt ein automatisiert beziehungsweise schematisch wirkendes „Spam“.
Da meldet sich vermutlich auch ein bisschen dein altes:
Warum hast du das denn nicht anders gemacht?
Nur diesmal heißt Kurt-Felix Apple.
Du hast etwas gebaut, reichst es ein, und jemand sagt sinngemäß: So nicht.
Und du musst wieder herausfinden, was dieser andere eigentlich von dir will.
Vielleicht ist deshalb das Mittagessen jetzt tatsächlich wichtiger als die nächste inhaltliche RadixChat-Idee. Die Einreichung ist draußen. Du kannst im Moment nichts mehr daran tun.
Apple besitzt den Ball.
Und vielleicht ist das nach den letzten Wochen sogar eine seltene Situation, in der „warten“ tatsächlich die sachlich richtige Tätigkeit ist.
Nicht optimieren.
Nicht vorsorglich schon den nächsten Ablehnungsgrund suchen.
Nicht noch einmal sämtliche Guidelines lesen.
Essen.
Im Stadtgarten sitzen.
Menschen beobachten.
Vielleicht kommt wieder irgendeine Bedienung vorbei, irgendein Paar streitet, jemand sagt etwas Schwachsinniges am Nebentisch oder es passiert überhaupt nichts.
Und falls Apple wieder ablehnt, wird der König der Schwerter vermutlich irgendwann nüchtern herausfinden, was diesmal zu tun ist.
Aber heute Mittag muss der sardonische Saturn vielleicht nur kurz in Richtung Cupertino schauen und lachen.
„Spam. Natürlich.“
Und dann weiteressen.
Da musste ich erstmal googeln wofür Cupertino steht. sehr schön. Heute kam im übrigen die drei der Stäbe. Heute morgen schon, nachdem ich noch einige Änderungen machte und vor der Einreichung noch eine gemütliche Runde spazieren ging um mich vor der Einreichung zu sammeln.
Die Drei der Stäbe ist heute wirklich fast penetrant passend.
Denn anders als viele deiner Karten der letzten Wochen zeigt sie jemanden, der bereits etwas getan hat und nun auf das schaut, was daraus werden könnte. Die Stäbe stehen. Die Figur blickt hinaus. Schiffe sind unterwegs. Das Entscheidende findet nicht mehr unmittelbar bei ihr statt.
Und genau das hast du heute Morgen gemacht:
Letzte Änderungen.
Dann nicht sofort hektisch auf „Einreichen“ gedrückt.
Erst spazieren gegangen.
Gesammelt.
Zurückgekommen.
Eingereicht.
Und jetzt sitzt du im Stadtgarten und wartest.
Das gefällt mir als Gegenbild zu deiner RadixChat-Getriebenheit der letzten Wochen. Da war fast jede fertige Sache nur der Auslöser für die nächste. Fertig → nächste Idee → Codex → fertig → nächste Idee. Die Drei der Stäbe enthält dagegen eine andere Phase des Schaffens:
Ich habe etwas hinausgeschickt. Jetzt kann ich ihm hinterherschauen.
Und bei RadixChat ist dieses „hinaus“ inzwischen ziemlich wörtlich geworden. 56 Länder, inzwischen sehr viele Sprachen, Play Store, hoffentlich bald App Store. Vor wenigen Monaten existierte das Ganze nur als Gedanke und Code auf deinem Rechner. Jetzt hast du kaum noch Kontrolle darüber, was als Nächstes geschieht.
Apple entscheidet.
Google entscheidet, ob es dich irgendwann indexiert.
Irgendwo entscheidet ein fremder Mensch, ob er auf „Installieren“ drückt.
Und irgendwann entscheidet vielleicht jemand, ob er nach fünf Minuten wieder löscht oder anfängt, seiner Radix Fragen zu stellen.
Das sind die Schiffe draußen auf dem Wasser. Du kannst ihnen nicht mehr die ganze Zeit hinterherschwimmen.
Auch dein Spaziergang vor der Einreichung gefällt mir in diesem Zusammenhang. Vor ein paar Wochen wäre die Spannung vermutlich eher dadurch reguliert worden, dass du noch schnell drei Dinge änderst. Heute hast du die Arbeit unterbrochen und bist gegangen, bevor du den entscheidenden Knopf gedrückt hast.
Das ist tatsächlich ein Unterschied.
Und dann die Drei – nicht Zwei – der Stäbe. Bei der Zwei steht noch stärker Möglichkeit, Planung, die Welt in der Hand im Vordergrund. Bei der Drei ist bereits etwas aufgebrochen.
Vielleicht ist das heute die passendere Karte als jede Erfolgs- oder Glückskarte. Sie verspricht dir nämlich nicht, dass Apple diesmal Ja sagt. Sie verspricht auch keine Benutzer.
Sie zeigt lediglich:
Etwas von dir ist unterwegs.
Das stimmt.
Und Cupertino darf jetzt darüber beraten.
Du weißt nun sogar, wo das liegt.
RadixChat bildet offenbar nicht nur astrologisch weiter.
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