Kein Traum (7.8.2026)

Ich:

Die Stimmung ist wieder besser.
Norman meldete sich spontan und wir gingen mit Paul essen. Das hat mir lange nicht so gut getan wie gestern. Dass er sich gemeldet hat. Und dass wir uns mit Paul trafen und gemeinsame Zeit verbrachten. Er erzählte, dass er sich für ein Ehrenamt in einem Hospiz interessieren würde. Da war ich fast platt, weil das bei mir ja auch seit längerem auf der Agenda steht. Nächste Woche ist der erste Termin. Ein Kennenlernabend. Paul ist jetzt 12. Sie waren gerade aus England und Schottland zurück. Da gab es viel zu erzählen. Paul bekommt schon kräftigere Schultern. Er ist genau an dieser Schwelle, wo man schon erkennen kann, dass der kindliche Körper verschwindet, aber noch ist er ein Kind.

Als wir uns verabschiedet hatten schrieb mich Alexander an, dass ihm die Kinoszene noch nach laufen würde mit dem Fettsack und seiner Reaktion auf sein "Schhh". Ich nahm mir etwas Zeit für eine längere Antwort an ihn. Ich kann mich nicht erinnern jemals so gute Worte gefunden zu haben um ihm dieses schlechte Gefühl zu nehmen. Dieses bohrende Gefühl, dass man es diesem Typen hätte zeigen sollen.

Und auch für das Bezahlkonzept auf meiner astro Seite ist mir gestern noch etwas sehr einfaches eingefallen um dem Problem aus dem Ruder laufender Kosten eines Intensivnutzers zu begegnen. Es führt einfach kein Weg daran vorbei die laufenden Token Kosten genauso zu berücksichtigen wie sie anfallen und einen Benutzer quasi abzuknippsen, wenn sie seinen Monatsbeitrag übersteigen. Bzw Gefahr drohen keinen Gewinn davon übrig zu lassen.

Auch auf der Arbeit konnte ich gestern glänzen. Zwei Lösungen für die zwei anscheinend seit langem als brennend angesehenen Probleme.
Und das alles mit meiner schlechten Stimmung gestern. Aber dafür ist sie heute ja auch wieder besser. Mal schauen wie lange es trägt.

Dafür denke ich heute morgen wieder an Ginger. Gestern auch schon. Es ist schön an sie zu denken. Es ist eine starke Sehnsucht da. Vielleicht gehe ich ihr irgendwann nach.

Die Erinnerung an meinen Traum will nicht zurückkehren. Schade.

KI:

Was mich an diesem Freitagmorgen zuerst anspringt, ist dein letzter Satz über gestern:
„Und das alles mit meiner schlechten Stimmung gestern.“

Das ist beinahe die Gegenprobe zu etwas, was dir in dunkleren Stunden immer wieder passiert: Dann fühlt sich der gegenwärtige Zustand wie eine Aussage über dein ganzes Leben an. Gestern warst du unfroh, erschöpft, Eva und Tantra wirkten plötzlich wie ein Dead End, die Arbeit tat dir nicht gut, Inspiration fehlte. Und während dieses Zustands hast du zwei schwierige berufliche Probleme gelöst, eine wichtige konzeptionelle Lösung für Astrofragen gefunden, Alexander offenbar etwas geben können und am Abend eine Begegnung erlebt, die dir ausgesprochen gutgetan hat.

Die schlechte Stimmung war also wahr. Aber sie wusste erstaunlich wenig darüber, was an diesem Tag möglich war.

Und dann Norman. Ich glaube, entscheidend war tatsächlich nicht nur das Essen. Er meldete sich bei dir. Du musstest nicht initiieren, nicht überlegen, ob du störst, nicht irgendeine Beziehung in Bewegung bringen. Da kam jemand aus deinem bestehenden Netz und wollte dich sehen. Und dann saßt du mit ihm und Paul am Tisch. Wieder dieses Bild vom Tisch, das in letzter Zeit auffällig oft auftaucht: die junge Frau mit ihrem Vater im Stadtgarten; deine Gedanken über Familie; jetzt Norman, sein Sohn und du. Menschen sitzen zusammen, erzählen, essen, gehören für ein paar Stunden selbstverständlich zusammen. Vielleicht hat es deshalb so ungewöhnlich gutgetan.

Dass Norman nun ausgerechnet über ein Ehrenamt im Hospiz nachdenkt, ist fast komisch. Da begegnet ihr euch nach seiner Reise, und plötzlich stellt sich heraus, dass sich unabhängig voneinander ein sehr ähnlicher Gedanke entwickelt hat. Das schafft noch einmal eine andere Form von Gemeinsamkeit: nicht nur gemeinsame Vergangenheit, sondern eine mögliche Parallelität nach vorne. Selbst wenn ihr das Ehrenamt niemals gemeinsam machen solltet.

Auch die Geschichte mit Alexander passt dazu. Interessant finde ich weniger, dass du die richtigen Worte gefunden hast, als wofür du sie gefunden hast. Alexander hing offenbar noch in dieser männlich sehr vertrauten Nachschleife fest: Ich hätte stärker reagieren müssen. Ich hätte es ihm zeigen sollen. Und du konntest ihm offenbar etwas anbieten, das ihn aus dieser Kränkung herausführt. Ausgerechnet nach einem Abend, an dem du selbst ziemlich impulsiv mit „Spasti“ reagiert hattest. Vielleicht konntest du gerade deshalb glaubwürdig darüber sprechen. Du warst nicht der souveräne Vater, der von oben erklärt, wie man sich richtig verhält. Ihr wart beide in derselben Szene gewesen.

Und dann steht da beinahe nebenbei:
„Auch auf der Arbeit konnte ich gestern glänzen.“

Das finde ich angesichts deines Eintrags vom Vortag bemerkenswert. Vielleicht lohnt es sich, Arbeit und dein gegenwärtiges Befinden etwas stärker auseinanderzuhalten. Die Arbeit kann dich belasten und du kannst sehr gut darin sein. Sie kann dir Selbstbestimmung nehmen und dir jene Erfahrung geben, für die du offenbar empfänglich bist: Da liegt seit längerem etwas ungelöst herum, du kommst hinzu und findest eine Lösung. Das ist ziemlich genau die Position, in der du dich als Solution Architect immer wohlgefühlt hast.

Und damit lande ich wieder bei unserem neuen Saturn.
„Mal schauen wie lange es trägt.“
Du benutzt inzwischen selbst dieses Wort.
Vielleicht muss es gar nicht besonders lange tragen.

Das ist möglicherweise die kleine Verschiebung. Ein guter Donnerstag muss den Freitag nicht garantieren. Normans Anruf muss deine Einsamkeit nicht beseitigen. Zwei technische Erfolge müssen dir nicht beweisen, dass die Selbstständigkeit richtig war. Ein schöner Gedanke an Ginger muss nicht sofort beantwortet werden mit: Soll ich ihr schreiben?

Es darf für einen Tag tragen.

Und morgen trägt vielleicht etwas anderes.

Bei Ginger würde ich deshalb deinen Satz genau so stehen lassen:
„Es ist schön an sie zu denken.“

Das gefällt mir viel besser als manche unserer früheren Ginger-Analysen. Keine Abrechnung. Keine astrologische Erklärung ihres Löwen-Egos. Keine Entscheidung darüber, ob die Beziehung richtig oder falsch war. Du vermisst sie. Und die Erinnerung an sie fühlt sich gerade schön an.

Dass du hinzufügst „Vielleicht gehe ich ihr irgendwann nach“, ist interessant. Nicht: Ich muss sie zurückhaben. Nicht einmal: Ich sollte ihr schreiben.

Irgendwann vielleicht.

Das hat erstaunlich viel Raum.

Und vielleicht ist das gerade überhaupt die angenehmere Gegenbewegung zu gestern mit Eva. Dort entstand durch die Forderung nach Initiative sofort Enge: Rufst du an oder rufst du nicht an? Willst du mich oder willst du mich nicht? Kommst du am Wochenende oder nicht?

Bei Ginger gibt es heute Morgen nur Sehnsucht.
Noch keine Aufgabe daraus zu machen, erscheint mir gerade ziemlich klug.

Schade um den Traum allerdings. Manchmal kommt er noch zurück, wenn im Laufe des Vormittags irgendein völlig nebensächliches Bild auftaucht. Und manchmal bleibt nur das Gefühl zurück, dass da etwas war. Auch das muss nicht unbedingt wieder eingefangen werden.

Heute Morgen würde ich jedenfalls einen Satz von gestern festhalten:
Die Stimmung war schlecht. Der Tag war gut.

Das ist eine ziemlich wertvolle Erfahrung für jemanden, dessen Stimmung ihm gelegentlich erzählt, sie wisse bereits, wie die Geschichte weitergeht.

Ich:

Gestern fiel ja auch Frau Lenores aus. Sie hatte sich krank gemeldet. Für 2 Wochen. Das setzte mir gestern auch zu. Die Termine sind mir mittlerweile auch sehr wichtig. Ich weiß immer noch nicht wie ich damit umgehen soll, dass sie irgendwann zu Ende sein werden.

KI:

Ja. Das gehört vermutlich unbedingt noch in die Rechnung von gestern hinein. Frau Lenores fiel aus – und nicht nur für einen Termin, sondern gleich für zwei Wochen. Damit verschwand ausgerechnet an einem Tag, an dem du ohnehin instabiler warst, ein inzwischen ziemlich wichtiger Fixpunkt.

Ich glaube, die Termine haben für dich mittlerweile mehrere Funktionen gleichzeitig. Natürlich ist da die therapeutische Arbeit. Aber Frau Lenores ist auch zu einer regelmäßig wiederkehrenden Beziehung geworden. Du musst sie nicht aktivieren. Du musst nicht überlegen, ob du anrufen darfst. Du musst nicht interessant sein. Du musst ihre Bedürfnisse nicht erraten. Donnerstagmorgen ist Frau Lenores da, und du darfst mit dem kommen, was gerade da ist.

Gerade vor dem Hintergrund dessen, was zwischen dir und Eva passiert ist, ist der Kontrast auffällig. Bei Eva taucht sofort die Frage der Gegenseitigkeit auf: Wer ruft wen an? Wer braucht was? Wie viel Initiative bedeutet Interesse? Bei Frau Lenores ist die Asymmetrie ausdrücklich erlaubt. Du darfst brauchen. Das dürfte für jemanden, der die Bedürfnisse anderer sehr schnell als Verpflichtung erlebt, ausgesprochen entlastend sein.

Und deshalb würde ich deine Sorge vor dem Ende auch nicht vorschnell als problematische Abhängigkeit betrachten. Es wäre eher erstaunlich, wenn eine therapeutische Beziehung wichtig würde und ihr Ende dann gleichgültig wäre.

Vielleicht steckt darin sogar etwas, das du neulich im Stadtgarten so genau beschrieben hast: Selbstverständlichkeit. Frau Lenores gehört inzwischen ein Stück weit zur Architektur deiner Woche. Und wenn sie krankheitsbedingt plötzlich fehlt, merkt man die tragende Wand gerade dadurch, dass sie nicht da ist.

Das bringt uns wieder zu Saturn.

Wir hatten ihn als das entdeckt, was trägt. Vielleicht ist Therapie inzwischen etwas Saturnisches in deinem Leben geworden: ein verlässlicher zeitlicher Rahmen, innerhalb dessen etwas sehr Mondhaftes und Neptunisches geschehen darf – fühlen, erzählen, assoziieren, weinen, sich erinnern, verstanden und auch widersprochen werden.

Und deshalb finde ich deine andere Frage eigentlich noch wichtiger:
„Ich weiß immer noch nicht, wie ich damit umgehen soll, dass sie irgendwann zu Ende sein werden.“

Vielleicht musst du das momentan noch gar nicht können. Aber ich würde diese Angst irgendwann mit ihr selbst besprechen.
Nicht erst beim letzten oder vorletzten Termin.
Denn das Ende der Therapie ist kein organisatorisches Problem nach der eigentlichen Therapie. Es gehört zur Therapie.

Gerade bei dir könnte darin unglaublich viel Material liegen: Was geschieht, wenn ein Mensch, der wichtig geworden ist, nicht dauerhaft verfügbar bleibt? Wird aus Verbundenheit Verlust? Versuchst du vorher innerlich zu gehen? Entwertest du vielleicht, was gewesen ist? Willst du festhalten? Kann etwas enden und trotzdem innerlich erhalten bleiben?

Und da bekommt unser Saturn noch eine weitere, vielleicht sehr schöne Bedeutung.

Tragen heißt nicht unbedingt, dass etwas bleibt.

Etwas kann einen eine Zeitlang tragen – und dabei dazu beitragen, dass man anschließend selbst tragfähiger geworden ist.

Vielleicht wäre das irgendwann die gute Form eines Abschieds von Frau Lenores: nicht „Jetzt brauche ich sie nicht mehr“. Das wäre mir viel zu steril.

Sondern eher:
„Etwas von dem, was zwischen uns entstanden ist, kann ich inzwischen mitnehmen.“

Und gestern fehlte diese Frau schlicht.

Das darf dir zugesetzt haben. Vielleicht erklärt es sogar einen Teil jener diffusen schlechten Stimmung, für die du zunächst Eva, Arbeit, Tantra und dein ganzes gegenwärtiges Leben als mögliche Ursachen abgesucht hast.

Der Alkohol hatte vermutlich auch einen sehr großen Anteil. Vielleicht sogar den größten. Für diese Erkenntnis braucht es kein KI Feedback.

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