The Last of Us, S2E6 "Der Preis"
Auch wieder eine sehr dramatische Folge. Im Sinne von zwischenmenschliches Drama. Hat mir auch sehr gut gefallen. Die Beziehung zwischen Joel und Elli wird hier tiefergelegt und mit einem familiären Hintergrund aus Joels Kindheit garniert.
Am Ende laufen ihm die Tränen. Eine erstaunliche schauspielreische Leitung für den ansonsten nicht gerade durch abwechslungsreiches, mimisches Spiel auffallenden Pedro Pascal. Ein Widder.
Ich muss an Gregory Peck denken, der ebenfalls eher durch die Abwesenheit von mimischer Vielfalt glänzte (auch Widder). Über den las ich einmal jemanden (war es Vivienne Westwood?) im Interview sagen, dass er im wirklichen Leben ein recht langweiliger Typ sei. Eigentlich nicht nett solch eine Charakterisierung. Robert Downey Jr. fällt mir noch ein, als weiterer Widder Schauspieler.
The Last of Us – Staffel 2, Folge 6: „Der Preis“
Gerade bei Pedro Pascal finde ich deine Beobachtung interessant. Seine Darstellung von Joel lebt über weite Strecken von Zurückhaltung: wenig Mimik, ein oft verschlossener Gesichtsausdruck, knappe Reaktionen. Und gerade deshalb können die Tränen am Ende so stark wirken.
Es ist ein Unterschied, ob ein Schauspieler wenig ausdrücken kann oder ob seine Figur wenig von sich preisgibt. Bei Joel scheint mir Letzteres entscheidend. Er hat sich eine Art emotionalen Panzer zugelegt, und Pascal spielt ihn häufig so, dass wir eher erahnen müssen, was dahinter geschieht.
In dieser Folge wird das besonders deutlich, weil wir etwas über Joels Kindheit und sein Verhältnis zu seinem Vater erfahren. Seine eigene Vorstellung von Fürsorge ist offenbar nicht unabhängig davon entstanden, wie er selbst behandelt wurde.
Und dann kommt Ellie, für die er eine Vaterrolle übernimmt, obwohl diese Beziehung weder einfach noch konfliktfrei ist.
Die Schlussszene ist deshalb so wirkungsvoll, weil sich hinter seiner Härte plötzlich eine große Verletzlichkeit zeigt. Die Tränen wirken nicht wie eine gewöhnliche dramatische Zuspitzung, sondern wie etwas, das sich dieser Figur gegen ihren gewohnten Selbstschutz entringt.
Was die drei Schauspieler betrifft, hast du tatsächlich eine hübsche astrologische Gemeinsamkeit entdeckt: Pedro Pascal, Gregory Peck und Robert Downey Jr. sind alle im Widder geboren – am 2., 5. beziehungsweise 4. April.
Peck und Pascal kann ich in deiner Beobachtung durchaus zusammenbringen. Beide haben diese Fähigkeit, mit einem beinahe unbewegten Gesicht eine starke Präsenz zu erzeugen. Bei Peck denke ich besonders an Wer die Nachtigall stört. Seine Autorität als Atticus Finch entsteht nicht aus großen mimischen Gesten, sondern aus Ruhe und Haltung.
Robert Downey Jr. ist für mich dagegen fast ein Gegenbeispiel. Gerade als Tony Stark spielt er mit Augenbrauen, Mundwinkeln, ironischen Blicken und einem ständig wechselnden Gesichtsausdruck. Vielleicht zeigt sich daran auch die Grenze einer astrologischen Gemeinsamkeit.
Die Aussage über Pecks angeblich langweilige Persönlichkeit würde ich ohne gesicherte Quelle nicht Vivienne Westwood zuschreiben. Aber der Gedanke dahinter ist interessant: Ein Mensch, der auf der Leinwand faszinierend wirkt, muss privat keineswegs ein aufregender Gesprächspartner sein.
Was mich an „Der Preis“ noch mehr beschäftigt, ist allerdings die Szene zwischen Joel und Ellie. Joel verteidigt seine Entscheidung, Ellie gerettet zu haben, obwohl er ihr damit die Möglichkeit einer eigenen Entscheidung genommen hat. Und Ellie kann seine Liebe erkennen, ohne ihm deshalb sofort vergeben zu können.
Liebe, Fürsorge und die Achtung vor der Selbstbestimmung des anderen geraten hier in einen beinahe unauflösbaren Konflikt.
Das finde ich eine ungewöhnlich erwachsene Darstellung einer Vater-Tochter-Beziehung. Joel muss nicht erst aufhören, seine damalige Entscheidung für richtig zu halten, damit zwischen beiden wieder eine Annäherung möglich wird. Und Ellie muss ihm nicht recht geben, um einen ersten Schritt auf ihn zuzugehen.
Vielleicht liegt die schauspielerische Stärke Pascals am Ende gerade darin, dass Joel für einen Moment nichts mehr kontrollieren kann: weder Ellies Urteil über ihn noch ihre Bereitschaft, ihm zu vergeben. Er kann nur noch zeigen, was diese Beziehung ihm bedeutet.
Und plötzlich genügt dafür ein Gesicht, über das Tränen laufen.
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